Regenwurm trifft auf 120 Bio-Jungbauern

Mit Klee, Regenwürmer und weniger Achslast für eine bessere Welt – von der wahren Tragweite der ökologischen Landwirtschaft.

Andechs, Februar 2018. Inzwischen wissen auch Verbraucher, dass Milchqualität mit gesunden Kühen und unbelasteten Weiden zu tun hat – aber „Bio ist noch viel mehr!“ Der bundesweit bekannte Bio-Bauer und Boden-Experte Sepp Braun begeisterte beim dies­jährigen ‚Andechser-Bio-Jungbauerntag‘ über 120 Nachwuchs-Bio-Milchlieferanten mit dem Programm: Nur die ökologische Landwirtschaft garantiert die Nachhaltigkeit natürlicher Beziehungen zwischen Boden, Pflanzen, Tier und Mensch.

Sepp Braun, erklärt die Bio-Landwirtschaft als „komplexes ökologisches System von der Energieübertragung durch Sonneneinstrahlung über die Photosynthese der Pflanzen und bis hin zur Bodenbildung“. Wer weiß schon, dass Pflanzenwurzeln pro Hektar bis zu 50 Kilogramm Nähr- und Mineralstoffe aus Gesteinen des Unterbodens lösen können? Oder, dass in einem Kubikmeter Humusboden, Lebensraum von bis zu 600 Regenwür­mern, in einer Wissenschaftsstudie errechnet wurde, dass deren Ausscheidungen zu einer unterirdischen Stickstoffbildung von etwa 280 Kilogramm pro Hektar/Jahr führen? „Regenwürmer sind wie eine Nährstofffabrik für die Böden“ schwärmt Sepp Braun, „im Regenwurmkot sind zwei- bis siebenmal so viel für die Wurzeln pflanzenverfügbare Nährstoffe wie im umgebenden Boden“.

Der Regenwurmbesatz in Bayern liegt, so Sepp Braun, statistisch bei nur 16 Regenwürmern pro m², im Boden seines Bioland-Hofs gezählt wurden über 300 pro m². Sepp Braun plädiert für einen ‚Bodenaufbau von unten‘. Die Humusleistung mit Regenwürmern bringt viel mehr als Misteintrag von oben. Auch im Biolandbau könne man noch vieles lernen.
 

Der mitreißende Vortrag des Bio-Experten begeisterte die 120 Bio-Jungbauern aus den Andech­ser Milcheinzugsgebieten. Denn die Sicherung ihrer nachhaltigen Landwirtschaft bewegt seit jeher die Bio-Milchbauern. Martin Albrecht, ein ‚Andechser Bio-Milchbauer der ersten Stunde‘ hatte seinen Hof schon 1976 umgestellt: „Es ist sehr wichtig, den jungen Bio-Bauern die Bedeutung und Tragweite des Ökologischen Landbaus zu vermitteln. Denn ihre Arbeit betrifft ja nicht nur unsere Natur, sondern unsere Zukunft. Ich hoffe, dass dies immer mehr Menschen so sehen!“
 

Die Forderung „Zurück zu den Wurzeln der Natur“ und modernstes Wirtschaften ist überhaupt kein Widerspruch, sondern echte ‚Bio-Ökonomie‘. Das konnten die Bio-Jungbauern beim Rundgang durch die Produktionsbereiche der Andechser Molkerei Scheitz sehen, im vollautomatisierten Hochregallager, bei den unterschiedlichen Abfüllanlagen und der Qualitätskontrolle. Die Verwandlung ihres wertvollen Naturprodukts ‚Bio-Milch‘ im Veredelungsprozess zu qualitativ hochwertigen Bio-Milchspezialitäten der Marke ANDECHSER NATUR.
 

„Mit der ökologischen Landwirtschaft können wir den Weltfrieden unterstützen.“ Diese eher provokante Behauptung von Sepp Braun wurde vielen dann verständlich, als beim Resümee des Tages die ökologischen Entwicklungen in der Welt angesprochen wurden mit den Rück­wirkungen auf die Lebensbereiche unserer Verbraucher, auf Regionalität, Umwelt- und Heimatschutz. Denn unsere Gesellschaft sollte nicht vergessen, so Sepp Braun, dass sie vom Boden lebt und ihn bisher sträflich vernachlässigt hat.

Da waren sich alle 120 Andechser Bio-Jungbauern einig: Das muss sich ändern!

 

 

 

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